Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Klosterruine Disibodenberg

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Interview mit Julia Klöckner

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„Hildegard kann uns in vielen Bereichen Orientierung geben“

Weitsicht der heiligen Hildegard ist handlungsleitend für die CDU-Politikerin Julia Klöckner

Julia Klöckner, Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und stellvertretende Vorsitzende der CDU Deutschlands, lebt im „Land der Hildegard“. Sie verrät uns ihre Hildegard-Lieblingsorte und warum die heilige Hildegard auch im 21. Jahrhundert Vorbild sein kann.

Frau Klöckner, das „Land der Hildegard“ ist Ihre Heimat. An welchen Orten kann man sich der heiligen Hildegard besonders eindrucksvoll nähern?
Auf Hildegards Spuren wandeln kann man besonders gut in den beeindruckenden Klosterruinen Disibodenberg - dem Ort, an dem Hildegard begann, ihrer Berufung zu folgen. Die Klosterruinen, malerisch auf dem Bergplateau gelegen, haben auf mich eine ganz eigene spirituelle Wirkung. Ein bedeutender Ort der Verehrung ist natürlich auch die Rochuskapelle bei Bingen mit ihrem Hildegard-Altar. Die Relief-Szenen von Jakob Busch veranschaulichen das Leben der heiligen Hildegard äußerst eindrücklich.

Ob die Stadt Trier, der Mainzer Dom oder die Kaiserpfalz Ingelheim – Wirkungs- und Besuchsstätten Hildegards in ganz Rheinland-Pfalz vergegenwärtigen uns ihr Leben und ihr Werk stets aufs Neue. Hildegards Geschichte ist auch eine besondere rheinland-pfälzische Geschichte. Nähern kann man sich ihr im Übrigen überall dort, wo Hildegards Werte im Alltag gelebt werden, wo Menschen achtsam und verantwortungsvoll mit¬einander und mit Gottes Schöpfung umgehen. Dort ist man ihr am nächsten.

Wie haben Sie die Heiligsprechung Hildegards und die Erhebung zur Kirchenlehrerin im Jahr 2012 erlebt?
Mein Respekt und meine Bewunderung galten Hildegard auch bereits vor ihrer Heiligsprechung. Mit dem Akt der Heiligsprechung wurde ihre Bedeutung und die Wertschätzung, die ihr entgegengebracht wird, besonders hervorgehoben. Hildegard ist über die Grenzen von Rheinland-Pfalz und Deutschland hinaus eine Leitfigur und ein Vorbild. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie in den Stand der Heiligen erhoben wurde. Das ist eine Ehrung, die ihrer Persönlichkeit und ihrem Wirken gerecht wird.

Was fasziniert Sie an Hildegard von Bingen?
Sie war eine starke und ungemein charismatische Frau, die in einer extrem hierarchischen und von Männern dominierten Welt ihre „Frau“ gestanden hat. Sie hatte Widerspruchsgeist, wenn es angebracht war, und die Gabe charmant, aber bestimmt für ihre Anliegen zu werben.

Zudem war sie eine herausragende Denkerin, die uns sehr inspirierende Texte hinterlassen hat. Diese sind heute noch aktuell. Faszinierend an Hildegard von Bingen ist auch die Bandbreite ihres Schaffens, die ja von der Theologie und Musik bis hin zur Medizin und Biologie reicht. Letztlich war sie auch eine politische Frau.

Kann Hildegard uns heute noch ein Vorbild sein?
Ihre Art, Selbstbewusstsein und Geist zu verbinden, kann vielen Vorbild sein. Denn sie war nicht selbstbewusst um ihrer selbst willen, sondern sie zeigte dort Durchsetzungskraft, wo es um der Sache willen angebracht und sinnvoll war. Mich beeindruckt ihr wacher Geist. Nicht umsonst war sie schon damals jemand, dem man zugehört hat. Sie kann uns in vielen Bereichen Orientierung geben. Die spirituelle Tiefe einer Hildegard kann uns in unserer profanisierten und schnelllebigen Welt nur gut tun.

Sie sind bekennende Katholikin. Welche christlichen Werte sind handlungsleitend für die Politikerin Klöckner und wie zeigt sich das in Ihrem Politikstil?
Als Christin weiß ich um meine eigene Begrenztheit und die Würde jedes Einzelnen. Deshalb ist es mir sehr wichtig, auch wenn es manchmal hektisch ist, jedem, den ich treffe, mit gebotenem Interesse und Wertschätzung zu begegnen.

Ein Beispiel bitte …
Das Wort ergreifen, Dinge aussprechen, gesellschaftliche Veränderungen anregen und dabei den Mut haben, neue, unkonventionelle Wege zu gehen – das waren wichtige Handlungsmaximen Hildegards. Ihnen versuche ich mich in meiner Arbeit jeden Tag ein Stück weit anzunähern. Insbesondere Hildegards Weitsichtigkeit ist handlungsleitend für mich.

So darf Politik z. B. nicht auf Kosten der kommenden Generationen betrieben werden. Das betrifft die Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die Fragen des Zusammenhalts der Generationen in einer älter werdenden Gesellschaft, aber auch die Achtung der Schöpfung.

Als Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken setzen Sie sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche ein. Was möchten Sie erreichen, welche Barrieren gilt es zu überwinden?
Hildegard ist ein leuchtendes Beispiel für engagierte, gläubige Frauen. Jene Frauen sind es, die heute in Deutschland die katholische Kirche in den Gemeinden maßgeblich mit tragen. Deshalb sollten sie auch in den Leitungsebenen stärker vertreten sein.

Vielfach wird hier übersehen, dass das in den Diözesanleitungen schon heute möglich wäre, da viele Positionen gar nicht an das Weiheamt gekoppelt sind. Zudem sollte meine Kirche auch die spirituelle und pastorale Kraft der Frauen stärker wertschätzen und auch nutzen.

Ihr Tipp für uns: Wie kann das „Land der Hildegard“ seine große historische Persönlichkeit noch besser in Szene setzen?
Es bedarf meines Erachtens weniger einer ausgeklügelten „Marketing-Strategie“. Vielmehr sollte es um die Stärkung gelebter Einsatzbereitschaft nach dem Vorbild Hildegards gehen. Menschen, die sich z. B. im Ehrenamt engagieren, sollten verstärkt gewürdigt werden.

Ob zu Hause, in der Schule oder im Kommunions- bzw. Firmungs-Unterricht: Besonders jungen Menschen sollte der Blick Hildegards über den eigenen Tellerrand hinaus nahegebracht werden – so lernt man, persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen mit Weitblick, Tatkraft und Gottvertrauen zu begegnen.