Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Historisches Museum am Strom Hildegard von Bingen

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Interview mit Pater Anselm Zeller

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Die Jahre meines priesterlichen Dienstes waren voller Überraschungen

Hildegard war Pater Anselm Zeller OSB immer wieder Ansporn für den eigenen Weg

Pater Anselm Zeller OSB ist vielen Menschen im Land der Hildegard als langjähriger Prior des Klosters Jakobsberg in Ockenheim in Rheinhessen bekannt. Der diplomierte Religionspädagoge unterrichtete viele Schülergenerationen des Stefan-George-Gymnasiums in Bingen. Er war in der Mission in Afrika tätig und von 1996 bis zu seiner Emeritierung 2014 Abt der Abtei St. Georgenberg-Fiecht in Tirol. 2015 feierte er sein goldenes Priesterjubiläum.

Sie blicken auf mehr als 50 Jahre im Dienst der katholischen Kirche zurück. Welche Erfahrungen hätten Sie sich als junger Priester nie träumen lassen?

Die Jahre meines priesterlichen Dienstes waren voller Überraschungen: Zum Einen der vollständige Um- und Neubau des Klosters Jakobsberg samt dem Umbau des landwirtschaft-lichen Gebäudes zum Jugendhaus. P. Aurelian Feser (aus Ockenheim stammend) stand mir dabei zur Seite. Dann der Dienst als Novizenmeister in Kenia, die Jahre als Abt in St. Georgenberg-Fiecht in Tirol (1996 bis 2014) und die Sabbatzeit vom Dezember 2014 bis August 2015.

Wie hat die Zeit auf dem Jakobsberg Ihr Leben geprägt?

Die Jahre als Religionslehrer im Stefan-George-Gymnasium (1966 bis 1978) und als Geistlicher Leiter der dortigen großen Jugendgruppe Neudeutschland sowie als Prior auf dem Jakobsberg (1978 bis 1991) haben mein Verantwortungsbewusstsein für Menschen sehr gefördert.

Ich lernte Organisieren, Planen und das Durchziehen von Projekten. Ich denke, neben dem eigentlich Religionsunterricht bis zu Klassen mit Abitur, auch z.B. an große Zeltlager oder die Fahrten nach Rumänien oder Polen.

Als Missionsbenediktiner in Afrika: Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die Anpassung an afrikanische Verhältnisse und die Mentalität fremder Stämme und Völker. Die höchste körperliche Herausforderung war die Besteigung des Mount Kenia mit seinen 5000 Metern.

Was können wir Christen in Deutschland von den Christen aus Afrika lernen?

Grobe Einschätzung: Der Afrikaner - gar nicht gerne gebrauche ich diese Bezeichnung, da es ungemein große Unterschiede zwischen den Ländern gibt - ist viel stärker auf Familie, Sippe und Stamm bezogen. Die Kirchen sind gut besucht. Die Gottes-dienste sind weitaus lebendiger.

Die Heiligsprechung Hildegards und ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin 2012 haben Sie in Ihrer Zeit in St. Georgenberg erlebt. Wie wurden diese Ereignisse bei den Glaubensbrüdern in Österreich aufgenommen?

Die Verehrung der hl. Hildegard von Bingen ist meines Wissens in Tirol, ja in ganz Österreich, nicht stark ausgeprägt. Natürlich hat sie einen großen Namen in Apotheken und in Büchern für Heilkunde.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung der heiligen Hildegard für die Weltkirche?

Gerade als Frau des 12. Jahrhunderts hat sie in ihrem prophetischen Mut zur Wahrheit sowie zur Kritik an kirchlichen Missständen eine welt-weite Bedeutung. In ihrer außerordentlichen Gestalt als geistliche Schriftstellerin, Dichterin und Musikerin verweist sie ganz besonders heute auf Gottes Ruf auch der Frau zu Diensten in der Kirche. Die Zeichen der Zeit unter unserem Papst Franziskus deuten auf Aufbruch.

Was fasziniert Sie persönlich am meisten bei Hildegard von Bingen?

Mich fasziniert ihr weiter Horizont und die Konsequenz bei ihren Entscheidungen, etwa der Gründung eines zweiten Klosters über dem Rhein in Eibingen, das im Unter-schied zur Abtei für Adelige auf dem Rupertsberg nun auch nichtadelige Frauen aufnahm. Es sei mir gestattet, hier noch zu erwähnen, dass ich mit einem Binger Freund im vergangenen Herbst eine wunderschöne Wanderung von Bad Münster a.St. auf den Disibodenberg unternahm, um dort wieder einmal den Spuren der großen Heiligen zu begegnen. Sie ist mir als Lehrmeisterin ihres Werkes „Scivias“ (Wisse die Wege) Ansporn, meinen eigenen Lebensweg aufmerksam und bedachtsam weiterzugehen.

Nach einer so genannten achtmonatigen Sabbatzeit in Israel / Jordanien und Tansania / Sambia übe ich seit September 2015 den Dienst eines Vikars im Seelsorgeraum Vomp-Fiecht-Stans in der Diözese Innsbruck aus. Nach wie vor lebe ich in meiner Abtei St. Georgenberg-Fiecht. Über meine Sabbatzeit habe ich ein Buch geschrieben: „geschenkte zeit - andere Welten“; 142 S. mit zahlreichen Fotos; 14.- Euro.

Vielen Dank für diese Einblicke in Ihr bewegtes Leben, Pater Anselm.