Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Rochuskapelle

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Das Kanonisationsverfahren

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Hildegard von Bingen wurde schon zu Lebzeiten von den Menschen verehrt, die in Scharen zu ihr auf den Rupertsberg strömten, um die Prophetin um Rat zu bitten. Ab den 1170er Jahren begann man dort – vermutlich unter der Anleitung oder zumindest mit der Kenntnis Hildegards – mit der Überarbeitung und Zusammenstellung ihrer Schriften im Hinblick auf eine mögliche Heiligsprechung nach ihrem Tode. Auch die zwischen 1174/75 und 1190 entstandene Vita sowie das Vitenfragment aus der Feder ihres letzten Sekretärs Wibert von Gembloux zeugen von der Verehrung Hildegards und dienten wohl ebenfalls der Vorbereitung einer Kanonisation.

Seit dem Pontifikat Alexanders III. (1159-1181) war das Heiligsprechungsverfahren zu einer Domäne des Papsttums geworden und ein förmliches Verfahren entwickelte sich. Im Jahr 1227 wurde dieses Verfahren durch die Rupertsberger Nonnen eingeleitet, als sie eine Bittschrift an Papst Gregor IX. (1227-1241) richteten und dieser den Kanonisationsprozess mit seinem Schreiben Mirabilis Deus vom 27. Januar 1228 eröffnete. Er betraute drei Mainzer Kleriker mit einer Untersuchung von Leben, Ruf, Verdiensten und Wunder der verstorbenen Äbtissin.

Fünf Jahre benötigen die Beauftragten zur Aufnahme der Zeugenaussagen und der Prüfung von Hildegards Werk, dann schickten sie im Dezember 1233 einen Bericht sowie die Schriften selbst nach Rom. Dort zeigte sich, dass die Ausführungen zu ungenau waren und die Namen vieler Zeugen und Geheilter sowie Orts- und Zeitangaben fehlten.

Dem Papst blieb keine andere Wahl, als den Antrag abzulehnen, allerdings setzte er 1237 eine neue Kommission ein, die aber ihre Aufgabe offenbar nie aufnahm. Es scheint, als wäre zu dieser Zeit in Rom das Interesse an einer Heiligsprechung Hildegards größer gewesen als in Mainz. 1243 musste Gregors Nachfolger Innozenz IV. eine dritte Kommission beauftragten, die Untersuchung zu vervollständigen. Das erste Protokoll wurde nun verbessert und durch weitere wundersame Heilungen ergänzt, doch ob die Schrift je nach Rom gelangte ist äußerst fraglich. Eine förmliche Kanonisation seitens des Heiligen Stuhls unterblieb jedenfalls bis heute.

Über die Gründe für die Verschleppung des Verfahrens durch die Beauftragten des Mainzer Klerus kann man nur spekulieren: Vielleicht waren sie mit dem neuen Verfahren noch nicht vertraut genug oder sie akzeptierten den noch jungen Zuständigkeitsanspruch des Papstes nicht. Denkbar ist auch, dass sie eine große Wallfahrtsstätte auf dem Rupertsberg, die in Konkurrenz zu den Mainzer Kirchen und Klöstern gestanden hätte, verhindern wollten.