Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Kloster Eibingen

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Die Reliquien

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Nach ihrem Tod wurden die sterblichen Überreste Hildegards von Bingen an einem nicht näher genannten Ort beigesetzt. Vielleicht befanden sie sich schon damals in der Gruft vor dem Hauptaltar in der Rupertsberger Klosterkirche oder wurden später dorthin überführt. Auf Anordnung des Mainzer Erzbischofs Berthold von Henneberg (1484-1504) wurde das Grab 1489 und 1498 geöffnet. Bei der ersten Öffnung hoffte man vielleicht eine Heiligsprechungsurkunde zu finden; bei der zweiten, bei der auch der Sponheimer Abt und „Hildegard-Verehrer“ Trithemius anwesend war, wurden ihre Gebeine erhoben. Dies unterstreicht die Verehrung Hildegards als Heilige.

Nach Ausbruch des 30jährigen Krieges rettete die damalige Äbtissin einen Teil der Reliquien (Haupt, Herz und Zunge) nach Köln, die übrigen konnten nach der Brandschatzung des Klosters Rupertsberg unversehrt aus ihrem Versteck in der Gruft geborgen werden. Da ihr Kloster nicht wiederaufgebaut wurde, traten die Rupertsberger Nonnen dem Konvent in Eibingen bei, wo auch die Reliquien Hildegards wiedervereint wurden. Hier erhielten sie im Neubau der Klosterkirche von 1683 einen würdigen Aufbewahrungsort. Die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts, von der auch das Eibinger Kloster nicht verschont blieb, führte dazu, dass die Reliquien in die Hände verschiedener vertrauensvoller Personen, wie dem Pfarrer von Eibingen, dem Propst und einigen ehemaligen Nonnen, gegeben wurden. Im Jahr 1831 wurden sie wieder der vormaligen Klosterkirche zurückgegeben, die nun von der Eibinger Gemeinde als Pfarrkirche genutzt wurde.

Ab 1840 stand der Gemeinde mit Pfarrer Ludwig Schneider jener Mann vor, der maßgeblich am Wiederaufblühen des Hildegard-Kults beteiligt war. Nachdem er die Erlaubnis des Limburger Bischofs Peter Joseph Blum erhalten hatte, untersuchte er 1852 gemeinsam mit einem Binger Arzt und weiteren Zeugen die Gebeine. Bis 1857 verfasste Pfarrer Schneider einen ausführlichen Bericht an den Bischof, in dem er die Echtheit der Reliquien belegte. Noch im selben Jahr wurde die Erlaubnis zu einer öffentlichen Verehrung erteilt und am 17. September wurden die Reliquien beim wiedereingeführten Hildegardisfest in einer feierlichen Prozession durch die Eibinger Straßen getragen. 1929 fertigte man einen neuen kunstvollen Schrein für die Gebeine an, in dem sie seitdem in der Eibinger Pfarrkirche aufbewahrt werden. Da sich die Verehrung Hildegards inzwischen über die gesamte Welt verbreitet hat, erhielten nicht nur viele Klöster und Kirchen Europas Partikel der Reliquien, sondern auch solche in Amerika, Israel, Japan, Papua-Neuguinea und auf den Bahamainseln.