Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

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„Im Römischen Reich lebte während der Regierungszeit Heinrichs, des vierten Kaisers seines Namens, im Gebiet des diesseitigen Galliens (gemeint ist das Gebiet links des Rheins) eine Jungfrau, berühmt durch den Adel sowohl ihrer Herkunft als auch ihrer Heiligkeit, mit Namen Hildegard, Tochter des Vaters Hildebert und der Mutter Mechthild.“.

Dies sind die spärlichen Angaben, die uns aus der Lebensbeschreibung Hildegards, der Vita Sanctae Hildegardis, bekannt sind. Hildegard selbst war nie daran interessiert, zuviel über ihre Familie preiszugeben: Weder in ihren Werken und Briefen noch in den Teilen der Vita, die noch zu ihren Lebzeiten durch den Mönch Gottfried im Kloster Rupertsberg entstanden, sind die Namen ihrer Eltern oder anderer Verwandter vermerkt. Erst Theoderich von Echternach, der die Lebensbeschreibung in den 80er Jahren des 12. Jahrhunderts vollendete, fügte sie ein. Meist wird vermutet, dass diese Zurückhaltung mit ihrem Selbstverständnis als Prophetin in Verbindung steht: In dieser Funktion waren ihre familiären Beziehungen nicht relevant und sollten keine Rolle spielen, da es ja nicht sie selbst war, die in ihren Visionen zu den Menschen sprach, sondern der dreifaltige Gott.

Aus der Feder Wiberts von Gembloux, der sich von 1177 bis zu ihrem Tod 1179 bei Hildegard auf dem Rupertsberg aufhielt, stammt ein zweiter Entwurf für eine Vita Hildegards. Dort ist über ihre Familie zu lesen:

„Herausragend im Stolz weltlichen Adels, überströmend vom Zufluss des Länderreichtums, hochbedeutend durch die Berühmtheit ihres Ansehens (…) hatten sie einen großen Namen (…).“.

In der Forschung konnte man sich als Standesbezeichnung von Hildegards Eltern auf den Begriff „Edelfreie“ einigen, womit der hohe dynastische Adel im Unterschied zu den Ministerialen – ehemals unfreie Dienstmänner, die ab dem 11. Jahrhundert in eine adelsgleiche Stellung aufstiegen – gemeint ist. Hildegard war sich dieses Standes und ihrer Herkunft zeit ihres Lebens stets bewusst.

Von Wibert wissen wir auch, dass Hildegard das zehnte Kind ihrer Eltern war. Die Namen einiger ihrer Geschwister konnten wiederum durch urkundliche Zeugnisse ergänzt werden. Drutwin, der älteste Sohn Hildeberts, war wohl als sein Nachfolger vorgesehen, zwei weitere Brüder Roricus/Rorich und Hugo schlugen eine geistliche Laufbahn ein: Ersterer war vermutlich Priester und Kanoniker in dem an der Saar gelegenen Tholey, Hugo Domkantor in Mainz und um 1175 Propst im Kloster seiner berühmten Schwester. Daneben sind auch die Namen von vier weiblichen Verwandten Hildegards genannt, die meist als ihre Schwestern betrachtet werden: Irmgard, Jutta, Odilia und Clementia, die Nonne in Hildegards Kloster Rupertsberg war.

Auch von einigen hohen geistlichen Würdenträgern weiß man, dass sie mit Hildegard verwandtschaftlich verbunden waren. Zu ihnen zählen Arnold, Propst von St. Andreas in Köln und späterer Erzbischof von Trier (1169-1184) und sein Bruder Wezzelin, der ebenfalls Propst von St. Andreas war. Diese familiären Bande zu bedeutenden Personen des Reichs erleichterten es Hildegard, in der Öffentlichkeit Gehör und Unterstützung zu finden.