Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Rochuskapelle

Für weitere Informationen klicken Sie auf das Gebäude.

Musikalisches Werk

Ihr Leben › Komponistin › Musikalisches Werk

Navigationsbaum: Ihr Leben › Komponistin › Musikalisches Werk

Musik hatte für Hildegard von Bingen eine ganz besondere Bedeutung: Als Spiegel der himmlischen Harmonie brachte die Musik die Menschen Gott nahe. Sie selbst verfasste zwischen 1151 und 1158 über 70 Gesänge, die als Symphonia armonie celestium revelationum bezeichnet werden, sowie ein geistiges Singspiel. Man muss Wibert von Gembloux zustimmen: „Wer hat je ähnliches von irgendeiner Frau gehört?“. In den Gesängen preist sie den dreieinigen Gott, die Engel und die Heiligen, allen voran Maria, die heilige Ursula sowie Rupert und Disibod. Wieder bekräftigt sie den göttlichen Ursprung ihres Werks:

„Darauf sah ich eine von Licht durchstrahlte Luft. Aus ihr ertönten mir auf wundersame Weise mannigfaltige Klänge entgegen. Es waren Lobgesänge für jene, die im Himmel wohnen (…)“.

In einem Brief an die Mainzer Prälaten, die 1178 über dem Kloster Rupertsberg das Interdikt ausgesprochen hatten, erfahren wir, welche bedeutende Rolle die Musik für Hildegard im Gesamtzusammenhang ihrer Theologie besaß: Vor dem Sündenfall sei es dem Menschen möglich gewesen, am Gotteslob der Engel teilzunehmen. Erst die Propheten erhielten wieder etwas von dem damals verlorenen Wissen zurück. Durch die Gesänge und den Klang der Instrumente sollten die Menschen belehrt und zu einem gottgefälligen Leben ermuntert werden. Seitdem habe der Teufel alles daran gesetzt, das gesungene Gotteslob zu verhindern. Er sei über die wiedergewonnene Fähigkeit der Menschen zu singen höchst beunruhigt gewesen, denn der Gesang entstamme dem Heiligen Geist und sei der Widerhall himmlischer Harmonie.
Innerhalb des musikalischen Werks Hildegards nimmt das Singspiel Ordo virtutum eine besondere Stellung ein. Es hat die Form eines gesungenen liturgischen Dramas: Ähnlich wie im Liber Vitae Meritorum stellen sich die Tugendkräfte im Kampf um die Seelen der Menschen dem Teufel und seinen Machenschaften entgegen. Da die Harmonie der Musik immer dem Lob Gottes dient, ist der Teufel in dem Stück nur zu unrhythmischem lärmendem Getöse fähig. Vielleicht trugen es Hildegard und ihre Nonnen auf dem Rupertsberg und in Eibingen bei kirchlichen Festen vor.
Die Gesänge, die Hildegard komponierte, wurden bei der Messe oder dem Stundengebet gesungen, wie wir von Wibert wissen: „Diese Gesänge, die zum Lobe Gottes und zur Ehre der Heiligen komponiert sind, werden öffentlich in der Kirche vorgetragen“. Ob sie erst die Texte und später die Melodien schrieb, die in Neumen, den damaligen Tonzeichen, notiert wurden, oder ob beides zeitgleich entstand, ist nicht überliefert. Genauso wenig kann heute gesagt werden, wie die Musik in Hildegards Zeit tatsächlich klang. Die heutigen Fassungen der Lieder können sich daran nur annähern.