Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Historisches Museum am Strom Hildegard von Bingen

Für weitere Informationen klicken Sie auf das Gebäude.

Jutta von Sponheim

Ihr Leben › Lehrjahre in der Klause › Jutta von Sponheim

Navigationsbaum: Ihr Leben › Lehrjahre in der Klause › Jutta von Sponheim

Im Leben Hildegards von Bingen spielte Jutta von Sponheim eine bedeutende Rolle: Sie war von 1106 oder spätestens von 1112 an bis zu ihrem Tod Hildegards Lehrerin und Vertraute, der sich Hildegard auch in Bezug auf ihre Visionen offenbarte. Diese Zeit prägte ihre Schülerin, wenn sie später auch ihren eigenen Weg einschlug. Franz Staab ist nur beizupflichten, wenn er in seinem Aufsatz ’Beobachtungen zum Leben Hildegards von Bingen aus historischer Sicht’ schreibt:

„Vieles hat Hildegard hier gelernt, übernommen, später auch zum Teil zurückgefahren oder aber weiterentwickelt.“.

Jutta wurde im Jahr 1092 geboren und war damit nur sechs Jahre älter als ihre spätere Anvertraute. Sie war die Tochter Stephans und Sophias von Sponheim, einer hochadligen Familie mit Sitz auf der an der Nahe gelegenen Burg Sponheim westlich von Bad Kreuznach. Mit Hildegards Familie standen sie in freundschaftlichem Kontakt. Als Jutta drei Jahre alt war, starb ihr Vater und die Mutter kümmerte sich allein um die Erziehung ihrer drei Kinder. Schon früh, berichtet ihre Lebensbeschreibung, habe sie ihre kluge Tochter unterrichtet und in der Heiligen Schrift unterwiesen. Jutta und ihre Mutter zeigen, dass es ein Vorurteil ist, anzunehmen, alle Frauen dieser Zeit seien ungebildet gewesen, sofern sie nicht in einem Kloster lebten.

Mit zwölf Jahren erkrankte Jutta so schwer, dass ihre Genesung wie ein Wunder erschien und sie versprach ein Leben als Geistliche zu führen. Zum Verdruss ihrer Familie wies sie alle Heiratsanträge ab, suchte den Mainzer Erzbischof Ruthard (1098-1109) auf und empfing von ihm den Schleier - womit wohl die Jungfrauenweihe gemeint sein dürfte, bei der Jutta ein jungfräuliches, gottgeweihtes Leben zu führen gelobte. Am 1. November 1112 nahm der Bamberger Bischof der 20jährigen auf dem Disibodenberg die Profess ab und sie, Hildegard von Bingen und ein drittes Mädchen zogen in die dort eingerichtete Klause ein.

Jutta wurde nun zur Erzieherin und Lehrerin der anderen Mädchen und brachte ihnen v.a. die Psalmen und die Heilige Schrift näher. Sicher erwarb Hildegard hier auch Kenntnisse in Lesen, Schreiben, Latein sowie in den Schriften der Kirchenväter. Während dieser Zeit des intensiven Zusammenlebens konnte Hildegards Gabe nicht lange vor der klugen Jutta verborgen bleiben:

„Eine adlige Frau aber, der ich zur Erziehung übergeben worden war, bemerkte dies alles und offenbarte es einem ihr bekannten Mönch.“

schreibt Hildegard in ihrer Vita. Nun konnte sie sich endlich jemandem anvertrauen, der sie verstand, denn auch von Jutta, die als „himmlisches Orakel“ bezeichnet wurde, wird berichtet, sie habe göttliche Visionen empfangen. Jutta war es auch, die Hildegard als ihre Nachfolgerin empfahl, was auf eine große Wertschätzung und Vertrauen in die Fähigkeiten der Jüngeren schließen lässt.

Der Ruf Juttas als Frau, die eingeschlossen in einer Klause ein heiligmäßiges Leben führte, verbreitete sich außerhalb des Klosters schnell, und wie später Hildegard spendete auch sie den Menschen jeden Standes Trost, Rat und Beistand. Im Unterschied zu ihrer Schülerin führte Jutta aber ein extrem asketisches Leben: Sie lehnte jeglichen Fleischverzehr ab, wachte, fastete und verlängerte ihre Gebetszeit um ein Vielfaches. Sogar von einer Kette, die sie auf der bloßen Haut getragen haben soll, berichtet ihre Vita. Hildegard teilt uns ihre Sicht Juttas selbst mit:

„Diese Frau hat Gott seine Gnade gleichsam wie einen aus vielen Wassern gespeisten Bach eingegossen, so dass sie ihrem Körper in Wachen, Fasten und weiteren guten Werken keine Ruhe ließ, bis sie ihr irdisches Leben mit einem guten Ende abschloss.“

Am 22. Dezember 1136 starb Jutta von Sponheim im Alter von 44 Jahren auf dem Disibodenberg.