Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Pfarrkirche Eibingen

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Etwa zu der Zeit, als Hildegards Visionsschrift dem Papst vorgelegt wurde (1147/1148), gab sie ihrem vertrauten Leben auf dem Disibodenberg eine Wende. Ein Blick in ihre Vita verrät Näheres: Erneut lag Hildegard krank danieder, da sie eine Schau nicht mitgeteilt hatte,

“dass ich mich nämlich von der Stätte, an der ich Gott dargebracht worden war, mit meinen Nonnen zu einer anderen begeben müsse.“.

Diese Stätte lag dort,

„wo die Nahe in den Rhein mündet, ein Hügel nämlich, der von alters her dem Heiligen Bekenner Rupert namentlich zugewiesen war.“

Der Rupertsberg bei Bingen, der Stadt, der Hildegard ihren Beinamen verdankt, ist hier gemeint.

Es existierten wahrscheinlich mehrere Gründe, die Hildegard einen Wegzug sinnvoll erscheinen ließen. Zum einen wurde es auf dem Disibodenberg immer enger: Die Vita berichtet, Hildegards Ruf habe „zahlreiche Adelstöchter“ zu ihr strömen lassen, und als die Unterkunft „kaum noch alle fasste“, sei schon über eine Vergrößerung beratschlagt worden. Auf der anderen Seite dürfte Hildegards wachsender Drang nach mehr Unabhängigkeit gestanden haben. In ihrem religiösen Verständnis spielte es eine wichtige Rolle, in allen Lebensbereichen wie auch in den Bestimmungen der Benediktsregel Maß zu halten. Darin unterschied sie sich grundlegend von der strengen Askese ihrer ehemaligen Lehrerin Jutta. Diese Neuorientierung dürfte, wie der Historiker Alfred Haverkamp annimmt, Auseinandersetzungen zwischen Hildegard und einigen Mitgliedern des Mönchskonvents bewirkt haben. Eine weitere Motivation den Disibodenberg zu verlassen, lag in dessen abgeschiedener Lage begründet: Als Prophetin sah sich Hildegard in der Nachfolge der Propheten und Prophetinnen des Alten und Neuen Testaments. Diese erfüllten ihren Auftrag ohne örtliche Beschränkungen und interagierten mit einer Vielzahl von Personen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Nur an einem zentralen Ort, der an den wichtigen Kommunikations- und Handelswegen gelegen war, sah Hildegard die Möglichkeit gegeben, es ihnen gleichzutun. Für sie war dieser Ort Bingen: An den Wasserwegen Nahe und Rhein gelegen, über Landwege mit Mainz und Köln, Trier, Koblenz, Metz und Worms verbunden, war Bingen ein Verkehrsknotenpunkt des Nah- und Fernverkehrs. Die Stadt besaß einen Markt, und der erzbischöfliche Hof in Bingen, die Nähe zur Kaiserpfalz Ingelheim sowie zu ansässigen einflussreichen Ministerialen verhieß Anschluss an die bedeutendsten Herrschafts- und Kommunikationsstrukturen der Zeit.