Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

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Hildegard und Friedrich Barbarossa

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Eines der berühmtesten Beispiele für Hildegards Rolle als Mahnerin und Beraterin stellt ihre Korrespondenz mit dem mächtigsten Mann des Reiches dar.

Am 4. März 1152 erhielt das Heilige Römische Reich einen neuen Herrscher: Friedrich I. Barbarossa wurde in Frankfurt zum König gewählt und fünf Tage darauf gekrönt. Auch Hildegard von Bingen erreichte diese Kunde schnell, und sie reihte sich in die lange Liste der Gratulanten ein, die nun auf ein Ende der langwierigen Auseinandersetzungen zwischen Staufern und Welfen hofften, denn deren Linien waren in dem neuen König vereint. Allerdings unterschied sich Hildegards Brief von allen anderen, denn in ihm sprach das „Lebendige Licht“ und riet Friedrich zu Barmherzigkeit, aber auch dazu, als „bewaffneter Soldat“ dem Teufel zu widerstehen.

Schon einige Monate später erhielt der König ein weiteres Schreiben der Äbtissin vom Rupertsberg. Es scheint im Zusammenhang mit der geplanten Absetzung des Mainzer Erzbischofs Heinrich I. zu stehen, zu dem Hildegard ein gutes Verhältnis hatte. Sie mahnt Friedrich, vorsichtig zu sein, denn er habe in ihrer Schau wie ein Kind oder ein unbesonnener Mensch gewirkt. Fast drohend fährt sie fort: „Hüte dich also, dass der himmlische König dich nicht wegen der Blindheit deiner Augen, die nicht recht sehen, wie du das Zepter zum richtigen Regieren in deiner Hand halten sollst, niederstreckt“. Wie der Getadelte auf diese Zeilen reagierte, ist leider nicht überliefert, es hat sein Verhältnis zu Hildegard, das bis dahin noch ein recht einseitiges war, aber nicht nachhaltig gestört. Denn Friedrich Barbarossas lud die Prophetin aus Bingen in die nur 12 km entfernte Pfalz nach Ingelheim ein, um sie persönlich kennen zu lernen. Die Frage, über was sich diese beiden großen Persönlichkeiten ihrer Zeit unterhalten haben, kann das einzige überlieferte Zeugnis nicht beantworten. Es handelt sich um einen Brief Friedrichs an Hildegard:

„Wir geben deiner Heiligkeit bekannt, dass wir das, was du uns vorhergesagt hast, als wir uns in Ingelheim aufhielten und dich baten, vor uns zu erscheinen, schon in Händen halten. Aber trotzdem werden wir nicht aufhören, uns mit aller Anstrengung um die Ehre des Reiches abzumühen. (…) Du darfst aber überzeugt sein, dass wir bei jedem deiner Anliegen, die du uns übermittelst, weder die Freundschaft noch den Hass irgendeiner Person berücksichtigen werden, sondern uns vorgenommen haben, allein im Hinblick auf die Gerechtigkeit Recht zu sprechen“.

Wie schon in ihrem ersten Brief scheint Hildegard dem König Ratschläge für eine gute und gerechte Amtsführung gegeben zu haben. Bei dem von ihr Vorhergesagten, das Friedrich nun in seinen Händen halte, wird vermutet, dass es sich um die Kaiserkrone handelt, die er am 18. Juni 1155 in Rom erlangte.
Bald aber zog sich Friedrich Hildegards Zorn zu und enttäuschte ihre Hoffnungen: 1159 spaltete ein Schisma die Kirche; zwei Päpste wurden ernannt und beanspruchten beide, der einzig rechtmäßige zu sein. Das war ein schlimmer Zustand für die Christenheit, denn niemand wusste, wer der gottgewollte Papst war – das Seelenheil der Gläubigen stand auf dem Spiel. Erst 18 Jahre später sollte Alexander III. diese Frage für sich entscheiden. Bis dahin installierte Friedrich einen Gegenpapst nach dem anderen. Hildegard hielt in dieser Zeit zu Alexander III. und nahm auch gegenüber dem Kaiser kein Blatt vor den Mund: „Der ist, spricht: Trotz vernichte ich, und den Widerspruch derer, die mich geringschätzen, zermalme ich um meiner selbst willen. Wehe, wehe, dieser Übeltat der Frevler, die mich verachten! Das vernimm, o König, wenn du leben willst; sonst wird dich mein Schwert treffen“. Trotz dieser Worte blieb Hildegards Kloster von Friedrichs Zorn, der viele andere Anhänger des Papstes traf, verschont. Wahrscheinlich entstand der Brief erst nach 1163. In diesem Jahr erhielt sie für den Rupertsberg eine kaiserliche Schutzurkunde, um die sie bei Friedrich gebeten hatte. Auch alle Besitzungen wurden hier nochmals beurkundet. Damit war die Klostergründung von der höchsten weltlichen Instanz bestätigt und geschützt.