Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Pfarrkirche Eibingen

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Wie der Konstanzer Bischof Hermann wandten sich viele an die Rupertsberger Äbtissin: „Der Ruf deiner Weisheit, der sich weit- und breithin ergießt und mir durch zuverlässige Menschen zugetragen wurde, hat mich zu dem Wunsche angeregt, aus weiter Ferne bei dir Trost und Aufrichtung zu suchen und mich deinen Gebeten zu empfehlen“. Unter den Anfragenden befanden sich zahlreiche bekannte Persönlichkeiten des 12. Jahrhundert. Neben dem Briefwechsel mit Friedrich I. Barbarossa sind besonders die päpstlichen Schreiben und das Bernhards von Clairvaux zu nennen, wobei das Überlieferungsproblem nicht aus dem Blick gelassen werden darf – so standen Anastasius IV. und Hadrian IV., anders als die Adresszeile glauben macht, vermutlich nicht in brieflichem Kontakt mit Hildegard. An ihrem erfolgreichen Schritt in die Öffentlichkeit war Eugen III. maßgeblich beteiligt, auch wenn er ihre Werke wohl nie schriftlich sanktionierte, wie es ihre Vita berichtet. Von ihm ist ein Schreiben überliefert, das sich u.a. mit dem Weggang der Nonne Richardis von Stade aus dem Rupertsberger Kloster befasst, den Hildegard verhindern wollte. An Papst Alexander III. wandte sie sich nach dem Tod ihres Sekretärs Volmar und erreichte, dass die Mönche des Klosters Disibodenberg einen Nachfolger zu ihr senden mussten. Den ältesten erhalten Brief richtete Hilldegard 1146/1147 an den Zisterzienser-Abt Bernhard von Clairvaux, um sich ihre prophetische Gabe von ihm bestätigen zu lassen. Sie erhielt aber nur eine kurze, wenn auch nicht abweisende Antwort des einflussreichen Mannes.

Zahlreiche Bischöfe und Erzbischöfe, allen voran die drei rheinischen Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, korrespondierten mit Hildegard und schätzten ihren Rat. Das gleiche galt für Äbte, Äbtissinnen, Pröpste, Prioren, Kanoniker, Kanonissen, Mönche und Nonnen von Albon bis Zwiefalten. Auch mit weltlichen Personen tauschte sie sich aus, darunter das englische Königspaar, die byzantinische Kaiserin Bertha, Herzöge und Herzoginnen, Grafen und Gräfinnen sowie nichtadlige Laien.

Der an anderer Stelle schon ausführlich beschriebene Brief Tenxwinds von Andernach ist nicht der einzige Briefwechsel der berühmten Äbtissin mit einer großen Frau des 12. Jahrhunderts: Auch von der Mystikerin Elisabeth von Schönau sind mehrere Schreiben überliefert. Wie Hildegard war sie eine Visionärin und verfasste ebenfalls drei Visionsschriften, doch in vielen Anschauungen unterschied sich Elisabeth grundlegend von ihr. Sie führte ein überaus streng asketisches Leben und unterzog sich harter Bußübungen, was sicher zu ihrem frühen Tod mit nur 31 Jahren beigetragen hat. Sie berichtete Hildegard von ihren Schauen, die sie in Ekstase erlebte, und in denen ihr eine baldige Bestrafung der Welt für ihre Sünden offenbart wurde. Hildegards Antwort ist voll tröstender Worte, und sie bestärkt Elisabeth in ihrer Rolle als Prophetin. In einem anderen Brief rät sie ihr „lerne Maßhaltung! (…) der Mensch, der sich mehr Mühsal auferlegt, als sein Körper aushalten kann, (wird) seiner Seele keinen Nutzen bringen“. Wie im Fall der Schönauer Äbtissin ging Hildegard auch bei anderen Schreiben auf die menschlichen Bedürfnisse ein. Je weiter sich ihr Ruhm verbreitete, desto mehr Personen, in den eigenen Häusern oft selbst Vertreter Christi auf Erden, wandten sich in religiösen Fragen an die Prophetin aus Bingen.