Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Kloster Eibingen

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Klostergründung

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Um das Jahr 1150 waren Hildegard und 18 oder 20 Nonnen auf den Rupertsberg gezogen. Ihr Leben auf dem Disibodenberg war im Rahmen der Benediktsregel bescheiden, aber doch angenehmer gewesen: Ihnen standen eingerichtete Gebets- und Wohnräume zur Verfügung, und die Umgebung habe über „fette(n) Äcker und Weinberge(n)“ verfügt. Von der neuen Wirkungsstätte berichtet Hildegard das Gegenteil und die anfängliche Freude wich schnell dem Verdruss: Die Nonnen lebten auf einer Baustelle und mussten auf vieles Gewohnte verzichten. Viele hätten sie mit Spott bedacht und an ihr gezweifelt:

„Was nützt es, dass die reichen, adligen Nonnen von der Stätte, an der ihnen nichts fehlte, in so großen Mangel gekommen sind?’“

Auch einige der Mitschwestern waren mit diesen Bedingungen unzufrieden und verließen Hildegard.

Doch das Schicksal der Klostergründung wandte sich rasch zum Besseren. Die Bauarbeiten schritten mit Hilfe der Unterstützung potenter Förderer rasch voran: 1151 oder Anfang 1152 weihte der Mainzer Erzbischof Heinrich die Kirche, bei der es sich vermutlich um die wiederhergestellte Kapelle mit den Reliquien des Heiligen Ruperts handelte. Am 1. Mai 1152 stellte derselbe Erzbischof Hildegards Kloster eine Urkunde aus, in der er die Gründung bezeugte und ihr eine Mühlenwehr sowie Landbesitz am Binger Loch übertrug. Der charismatischen Äbtissin gelang es auch, die Menschen, die anfangs gezweifelt hatten, zu überzeugen:

„Denn viele, die uns zuvor verachtet und dürre Nutzlosigkeit genannt hatten, kamen zu uns, um uns in jeder Hinsicht zu helfen und mit Segen zu erfüllen.“

Die Auseinandersetzungen mit dem Disibodenberger Abt Kuno konnten allerdings erst 1154/1155 geklärt werden: Hildegards Vita berichtet, sie habe

„ihren Wohnort mit dem ihr eigenen Landbesitz von den Brüdern dieses Klosters ab(gelöst). Dafür überließen sie ihnen den größten Teil der Besitzungen, die dem Kloster bei der Aufnahme der Schwestern übergeben worden waren, und darüber hinaus eine nicht geringe Geldsumme, damit nicht irgendein berechtigter Anlass zur Klage übrig bliebe“.

Diese Vereinbarungen sowie eine Klärung der Rechtsverhältnisse wurden in zwei Urkunden vom 22. Mai 1158, die Heinrichs Amtsnachfolger Arnold ausstellen ließ, schriftlich festgehalten: Hildegard erreichte, dass ihr Kloster direkt dem Mainzer Erzbischof als alleinigem Schutzherrn unterstellt wurde, außerdem wurde den Nonnen die eigenständige Wahl ihrer Äbtissin zugesichert. Mit dem Disibodenberg waren sie nur noch über einen Priester verbunden, den die Nonnen unter den Mönchen frei wählen sollten. Die zweite Urkunde regelte den ehemals strittigen Besitzstand. Mit diesen wichtigen Dokumenten wurde das Rupertsberger Kloster unabhängig und Hildegard hatte ihre Gründung erfolgreich abgeschlossen.

In den Folgejahren blüht das neue Kloster regelrecht auf: Für viele adlige Familien war der Rupertsberg die erste Wahl als künftige Wirkungsstätte ihrer Töchter und so wird das neue Kloster bald zu klein für den Konvent. 1165 nutzt Hildegard deshalb die Gelegenheit und erwarb ein zweites Kloster im nahen Eibingen auf der anderen Rheinseite. Dort waren bereits Gebäude eines aufgegebenen Augustinerinnenklosters vorhanden, so dass die Nonnen es schnell renovieren und besiedeln konnten. Wieder einmal verblüfft Hildegard, wenn wir hören, dass sie es schaffte, zweimal pro Woche den Rhein zu überqueren und in das Tochterkloster zu reiten, um auch dort ihre Verpflichtungen als Äbtissin zu erfüllen. Vielleicht nahm sie hier auch nichtadlige Frauen auf, doch Belege hierfür fehlen. Hildegards zweite Gründung überdauerte ihr erstes Kloster auf dem Rupertsberg. Der Konvent hatte bis ins 19. Jahrhundert Bestand, als es im Rahmen der Säkularisation aufgelöst wurde. Doch von 1900 bis 1904 wurde eine neue Abtei an diesem Ort errichtet, die Benediktinerinnen-Abtei St. Hildegard, wo das Vermächtnis der berühmten Patronin fortgeführt wird.