Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Rochuskapelle

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Wendepunkt

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Seit etwa 1147 reiften in Hildegard Pläne, den Disibodenberg zu verlassen und ein Kloster auf dem etwa 30 km entfernten Rupertsberg bei Bingen zu gründen. Diesem Vorhaben stand jedoch eine der wichtigsten Regeln für Mönche und Nonnen entgegen: die der stabilitas loci, die sie dazu verpflichtete, das Kloster, in das sie einmal eingetreten war, nie mehr zu verlassen. Ihr Abwanderungsplan stieß denn auch auf Gegenwehr:

„Mein Abt aber, die Brüder und das Volk jener Provinz wunderten sich sehr, als sie von dieser Veränderung hörten, (…). Und sie verschworen sich untereinander, dass dies nicht geschehen solle, sondern dass sie uns Widerstand leisten wollten“.

Für die Mönche bedeutete der Wegzug der Magistra einen schweren Verlust, denn ihr Ruhm und Ansehen hatte sich auch auf das Kloster übertragen. Es wurde attraktiver für neue Mitglieder und erhielt mehr Schenkungen, zudem drohte dadurch der Verlust der Mitgift der Nonnen.

Dass Hildegard mit ihren Umzugsplänen letztendlich doch erfolgreich war, lag nicht zuletzt an den Beziehungen, die sie zu einflussreichen Familien der Region unterhielt. Dazu zählte auch die Markgräfin Richardis von Stade, die Mutter ihrer gleichnamigen Vertrauten. Sie setzte sich beim Mainzer Erzbischof für Hildegard ein und erlangte dessen Unterstützung.

Nun musste Abt Kuno seine Erlaubnis erteilen, woraufhin Hildegard augenblicklich mit der Planung für das neue Kloster auf dem Rupertsberg begann. Für eine gut 50-jährige war dies in ihrer Zeit eine fast unglaubliche Leistung, denn neben der Bauplanung hatte sie noch ihre Pflichten als Leiterin der Frauengemeinschaft zu erfüllen und schrieb weiterhin an ihrem Erstlingswerk Scivias. Zunächst mussten Bau- und Wirtschaftsgrundstücke erworben werden. Wieder halfen Hildegard ihre verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Verbindungen und sie konnte schnell Förderer für ihr Projekt gewinnen. Die Rodungs- und Bauarbeiten hatten wohl umgehend begonnen, denn schon um 1150 bezieht Hildegard mit ihren Schwestern die neue Wirkungsstätte:

„Da die Magd Gottes also endlich mit achtzehn gottgeweihten Jungfrauen ihrer früheren Wohnort verließ, brachte sie der Gegend, zu der sie zog, ebensoviel Freude und Jubel, wie sie denen, von denen sie wegging, Schmerz und Trauer zurückließ. Es gingen ihr nämlich aus der Stadt Bingen und den benachbarten Orten viele Würdenträger und eine nicht gerade kleine Volksmenge entgegen, die sie mit großem Jubel und göttlichen Lobgesängen empfingen“.

Diese ungetrübte Freude hielt aber nicht lange vor und schon bald musste die neue Äbtissin des Klosters Rupertsberg erneut Probleme und Auseinandersetzungen überwinden.