Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Rochuskapelle

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Die Herrscher

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Hildegard von Bingen erlebte fünf römisch-deutsche Könige und Kaiser: Unter den letzten regierenden Saliern, Heinrich IV. (1056-1106) und seinem Sohn Heinrich V. (1106-1125), befand sich das Königtum von 1076 bis 1122 mit dem Papsttum in der erbittert geführten Auseinandersetzung des Investiturstreits. Viele kirchliche Ämter waren infolge dessen doppelt besetzt, was als ernste Bedrohung für das Seelenheil der Menschen empfunden wurde. Der Konflikt war sicher auch Thema in Hildegards Familie, denn seine Auswirkungen betrafen jeden Gläubigen. Während der Regierungszeit Lothars III. (1125-1137), der den Saliern auf den Thron nachfolgte, arbeitete der König wieder enger mit den Päpsten zusammen. Hildegard lebte in dieser Zeit noch zurückgezogen in der Klause auf dem Disibodenberg, war dort aber vermutlich gut über die Geschehnisse der Welt orientiert. Als Lothar starb, sicherte sich der Staufer Konrad III. (1138-1152) in einer Art „Staatsstreich“ das Königtum. Im Anschluss setzte mit der Auseinandersetzung zwischen dem frisch gewählten König und seinem ehemaligen Kontrahenten um die Krone, Heinrich dem Stolzen, der lange währende Konflikt zwischen Staufern und Welfen ein. Trotz der dadurch bedingten unsicheren Lage im Reich konnte Bernhard von Clairvaux Konrad in seiner Kreuzzugspredigt in Speyer 1146 überzeugen, das Kreuz zu nehmen und ins Heilige Land aufzubrechen. Der Fehlschlag dieses Unternehmens zeichnete sich jedoch bereits ab, als Konrads Heer 1147 in Anatolien schwere Verluste erlitt. Die Kunde hiervon musste Papst Eugen III. erreicht haben, als er sich auf einer Synode in Trier (1147/1148) auf Anfrage des Mainzer Erzbischofs Heinrich I. mit den visionären Schriften Hildegards befasste und sie einer Prüfung unterzog. Unter Hildegards Briefen befindet sich auch ein Schreiben Konrads III., der sich rat- und trostsuchend an die Prophetin wandte, und um die Unterstützung ihrer Gebete bat.
Es war die Zeit, als Hildegard mit ihren Schwestern den Umzug in das Kloster auf dem Rupertsberg bewältigt hatte und von ihrer Freundin und Vertrauten Richardis verlassen worden war, als Konrad III. 1152 starb. Die Nachfolge trat sein Neffe Friedrich, Herzog von Schwaben, an, der wegen der Farbe seines Bartes auch Barbarossa genannt wurde. Unter den vielen Gratulationsschreiben, die Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) nach seiner Wahl erhielt, befand sich auch ein Brief Hildegards. Sie hoffte wohl wie viele Bewohner des Reichs, dass es Friedrich, der mütterlicherseits von den Welfen und väterlicherseits von den Staufern abstammte, gelänge, den Konflikt zwischen den beiden Linien aufzulösen. Nach ersten Versuchen, die Lage im Reich zu ordnen, brach er 1154 nach Rom zur Kaiserkrönung auf, die im Sommer 1155 durch Papst Hadrian IV. vollzogen wurde. Als der Kaiser die zuvor mit dem Papst im sogenannten „Konstanzer Vertrag“ ausgehandelten Bedingungen nicht erfüllte, entfremdeten sich die beiden Mächte zunehmend voneinander. Um die Ebenbürtigkeit des Reiches gegenüber dem Papsttum und der Sancta Ecclesia zu unterstreichen, wurde es seit 1157 in den Urkunden als Sacrum Imperium bezeichnet. Nach dem Tod Hadrians IV. kam es 1159 zum sog. Alexandrinischen Schisma (1159-1177). Aufgrund einer uneinigen Wahl betrachteten sich sowohl Alexander III. wie auch der kaisertreue Viktor IV. als rechtmäßiger Papst. 1160 wollte Friedrich I. das Schisma auf einem von ihm selbst einberufenen Konzil in Pavia beseitigen. Was unter den ottonischen oder salischen Herrschern vielleicht noch erfolgreich gewesen wäre, musste 1160 unter den veränderten Machtvoraussetzungen scheitern, denn das Papsttum war längst seiner unterlegenen Position entwachsen - bereits die Möglichkeit eines Kaisers ein Konzil einzuberufen, war strittig geworden. Mit dem Tod Viktors 1164 schien das Schisma beendet, doch Rainald von Dassel, der als Kölner Erzbischof auch Kanzler für Italien war, sorgte dafür, dass es mit der Wahl Paschalis III. fortgesetzt wurde. Aus den bereits geschilderten Gründen war dies für Hildegard ein untragbarer Zustand, der sie dazu veranlasste, Barbarossa deutliche Worte zukommen zu lassen: „Der ist, spricht: Trotz vernichte ich, und den Widerspruch derer, die mich gering schätzen, zermalme ich um meiner selbst willen. Wehe, wehe, dieser Übeltat der Frevler, die mich verachten! Das vernimm, o König, wenn du leben willst; sonst wird dich mein Schwert treffen“. Das Schisma konnte erst 1177, zwei Jahre vor Hildegards Tod, durch den Vertrag von Venedig, der zwischen Kaiser Barbarossa und Papst Alexander III. geschlossen wurde, beendet werden.