Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Historisches Museum am Strom Hildegard von Bingen

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Erster und Zweiter Kreuzzug

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Hildegard von Bingen wurde 1098 im wahrsten Sinne des Wortes in die Zeit der Kreuzzüge hineingeboren. Drei Jahre zuvor hatte Papst Urban II. auf einer Synode in Clermont die Christenheit zum Kreuzzug aufgerufen, nachdem das Byzantinische Reich um Hilfe gegen die muslimischen Seldschuken gebeten hatte. Der Aufruf des Papstes verbreitete sich wie ein Lauffeuer in ganz Europa, und viele Menschen machten sich unter dem Motto „Gott will es!“ und dem Versprechen des Sündenablasses auf den Weg gen Osten. Für die Kirche war der Kreuzzug auch ein Instrument, sich als Ordnungsmacht in Mitteleuropa zu etablieren und womöglich die Trennung zwischen Ost- und Westkirche zu beseitigen. Die erste Welle von Kreuzfahrern bestand überwiegend aus einfachen Leuten und wurde schon im Oktober 1096 bei Nicäa geschlagen. Einem besser organisierten Heer gelang es dann im Juli 1099, Jerusalem einzunehmen und den Ersten Kreuzzug damit zu beenden.
Aufgestachelt von den Wanderpredigern, die den Zug begleiteten, richtete sich die Aggression aber bereits in den eigenen Ländern gegen Andersgläubige: Schon 1096 wurden in den Städten Mainz, Trier, Speyer und Worms, die in unmittelbarer Nähe zu Hildegards späteren Wirkungsstätten lagen, viele Juden Opfer der fanatischen Menge. Obwohl sie es in ihren Schriften nicht erwähnt, hatte Hildegard im Laufe ihres Lebens sicher von diesen Geschehnissen erfahren und stand auch selbst mit der jüdischen Bevölkerung ihrer Umgebung in Kontakt: Nach ihrer Vita besuchten sie Juden, um sie zu befragen und vielleicht, um mit ihr über die Auslegung der Heiligen Schrift zu debattieren. Hildegard habe sie „durch ihr eigenes Gesetz widerlegt und mit Worten frommer Ermahnung zum Glauben an Christus ermuntert“.

Während Hildegard auf dem Disibodenberg gerade an der Verfassung ihres ersten Werks Scivias arbeitete, überstürzen sich die Ereignisse erneut: Die Seldschuken gaben die verlorenen Gebiete nicht auf und eroberten 1144 die Grafschaft Edessa zurück. Diese Entwicklung war für Papst Eugen III. Anlass, am 1. Dezember 1145 den Zweiten Kreuzzug auszurufen. Er sandte den schon damals berühmten Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux zur Kreuzzugspredigt aus: Nachdem Bernhard im Dezember 1146 in einer flammenden Rede König Konrad davon überzeugt hatte, das Kreuz zu nehmen, zog er von Speyer rheinabwärts. Es gelang ihm dabei den Mönch Radulf, der die Menschen zu Übergriffen gegen die jüdische Bevölkerung anstachelte, aufzuhalten und ihn in sein Kloster zurückzuschicken, so dass ähnlich gewaltsame Pogrome wie vor dem Ersten Kreuzzug verhindert werden konnten. In der Zeit seiner Kreuzzugspredigten erreichte Bernhard auch ein Schreiben mit ganz anderem Inhalt: Eine Frau berichtete ihm, sie schaue von Gottes Geist belehrt „den inneren Sinn der Auslegung des Psalters, der Evangelien und der anderen Bücher“. Die Schreiberin war Hildegard, die in der Anwesenheit des einflussreichen Abtes eine Möglichkeit sah, ihre entstehende Schrift von dieser hohen Stelle anerkennen zu lassen. Die Antwort für sie viel, vielleicht ob der „Menge der Geschäfte“, wie Bernhard angibt, sehr kurz aus und beschränkte sich auf wenige vage Worte.
Der von den Königen Ludwig VII. von Frankreich und Konrad III. angeführte Kreuzzug scheiterte indessen schnell. Ein Großteil von Konrads Truppen wurde bereits 1147 in Anatolien geschlagen, und auch das französische Kontingent erreichte nur zum Teil das Heilige Land. Das eigentliche Ziel, Edessa zurückzuerobern, wurde aufgegeben, als die Stadt von den Seldschuken zerstört wurde. Stattdessen belagerte das Heer das eigentlich nicht feindlich gesinnte, aber reiche Damaskus, das als lohnende Eroberung erschien. Aber auch dieses Vorhaben schlug wie der gesamte Zweite Kreuzzug 1148 fehl. Hildegard äußerte sich zwar nicht über die Ereignisse, die sich im Rahmen der Kreuzzüge abspielten, doch es ist anzunehmen, dass sie der Kampf um das Heilige Land in ihrem Glauben, sich am Beginn der Endzeiten zu befinden, bestätigte.