Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Kloster Eibingen

Für weitere Informationen klicken Sie auf das Gebäude.

Frauenleben

Ihre Welt › Frauenleben im Mittelalter › Frauenleben

Navigationsbaum: Ihre Welt › Frauenleben im Mittelalter › Frauenleben

Mittelalterliche Autoren wie auch Hildegard von Bingen unterteilten die Lebenszeit des Menschen in verschiedene Lebensalter. Während der frühen Kindheit unterschied sich das Leben von Jungen und Mädchen noch wenig, was sich für die Kinder mit dem Erreichen eines Alters von etwa sieben Jahren änderte. Spätestens jetzt mussten Mädchen der Mutter im Haushalt, bei der Versorgung jüngerer Geschwister und den übrigen anfallenden Tätigkeiten zur Hand gehen, um auf ihr späteres Leben als Ehefrau und Mutter vorbereitet zu sein. Auch die Töchter höhergestellter und adliger Familien wurden meist im eigenen Haushalt erzogen, wenn sie nicht, wie Hildegard, als junges Mädchen in die Obhut eines Klosters gegeben wurden.

Vor der Heirat befanden sich Frauen unter der Muntgewalt des Vaters, d.h. er war für sie verantwortlich und sie schuldeten ihm Gehorsam. Nach der Heirat ging die Munt auf den Ehemann über. Das Heiratsalter einer Frau wurde mit dem Lebensalter der Jugend verbunden. Es unterschied sich aber je nach Stand und Herkunft der Mädchen stark, wobei adlige Frauen meist früher heirateten als Töchter aus ärmeren Familien. Obwohl die Liebe ein äußerst beliebtes Thema in der Lyrik und Epik des 12. Jahrhunderts war, wurden die meisten Ehen – v.a. in den höheren Gesellschaftsschichten – unter politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten geschlossen.

In einem Alter in dem andere Mädchen vor den Altar traten, um einen Mann zu ehelichen, legte Hildegard wie viele andere Mädchen, die einen spirituellen Lebensweg eingeschlagen hatten, die Profess ab und vermählte sich mit ihrem himmlischen Bräutigam. Für eine Frau, die kein Leben in einer religiösen Gemeinschaft führte, war die Ehe der einzig anerkannte Zustand. Im Hochmittelalter erklärte die Kirche die Ehe dann zum Sakrament, wodurch sie eine große Aufwertung erfuhr.

Das Lebensalter der Reife bezeichnete verheiratete Frauen, die bereits Mütter geworden waren. Auch Hildegard wandte sich den Themen Schwangerschaft und Geburt in Causae et Curae ausführlich zu und gibt dort auch Ratschläge für den Fall einer schwierigen Geburt. Obwohl keine Zahlen über die Sterblichkeitsrate existieren, kann man davon ausgehen, dass eine Schwangerschaft immer ein hohes Risiko für die Mutter barg. Ein Kaiserschnitt wurde nur nach ihrem Tod vorgenommen. Auch die Kindersterblichkeit war v.a. bis zum 10. Lebensjahr sehr hoch. Man schätzt, dass nur etwa die Hälfte eines Jahrgangs das Erwachsenenalter erreichte. Da Männer in der Regel erst heirateten, wenn sie finanziell abgesichert waren, bestand oft ein größerer Altersunterschied zwischen den Ehepartnern, und es war daher nicht selten, dass die Ehefrau, wenn sie die Zeit des Kindbetts überlebte, schon nach einigen Jahren verwitwete. Adlige Frauen konnten als Witwen in ein Kloster oder Stift eintreten, was für ärmere Frauen und Frauen mit kleinen Kindern aber meist keine Option darstellte. Sie verheirateten sich meist erneut, um im Alter nicht auf sich allein gestellt zu sein.