Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Pfarrkirche Eibingen

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Benediktinerinnen

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Die monastische Lebensweise faszinierte auch Frauen schon von Beginn an. Berühmte Nonnen früher Zeit waren z.B. Scholastika, die Schwester Benedikts von Nursia, der als Vater des Mönchstums gilt. Sie leitete in der Nähe des von ihm gegründeten Klosters Montecassino eine Gemeinschaft religiöser Frauen. Lioba († 782) unterstützte ihren Verwandten, den Missionar Bonifatius, bei der Christianisierung des Frankenreichs und wurde Äbtissin des Klosters Tauberbischofsheim.

Auf der Aachener Reichssynode von 816 wurde versucht, eine Vereinheitlichung der verschiedenen religiösen Lebensformen zu bewirken: Klöster sollten künftig der Benediktregel folgen und für Frauenstifte formulierte man die Institutio sanctimonialium. Eine Durchsetzung dieser Bestimmungen und damit auch eine strikte Trennung von Stift und Kloster erfolgte aber erst im Laufe des 10. und 11. Jahrhunderts, in manchen Fällen sogar noch später. Nonnenklöster befanden sich üblicherweise in oder nahe bei Städten, wodurch es den Bischöfen möglich war, eine Kontrollfunktion auszuüben. Oft lebten in der Umgebung Mönchsgemeinschaften oder Kleriker, die den Nonnen als Beichtväter und Priester geistlichen Beistand leisteten. Für die Sorge um rechtliche und wirtschaftliche Belange wurde in der Regel ein Vogt eingesetzt. Da viele Vögte aber v.a. auf ihr eigenes Wohl bedacht waren, hatte Hildegard von Bingen für ihr Kloster erwirkt, dass es direkt dem Mainzer Erzbischof unterstellt wurde.

Der durch die Stundengebete gegliederte Tagesablauf der Benediktinerinnen entsprach dem der Mönche. Die Zeit, die der Arbeit gewidmet sein sollte, verbrachten sie meist mit leichteren Handarbeiten wie Nähen, Sticken, Weben oder künstlerischen Arbeiten. Sie unterrichteten auch Kinder, die auf ein klösterliches Leben vorbereitet werden oder eine Grundbildung erhalten sollten. Für einen Klostereintritt spielten neben dem Wunsch, ein gottgeweihtes Leben in frommer Gemeinschaft zu führen, auch weitere Gründe eine Rolle. So werden Klöster heute oft als „Versorgungsanstalten“ für die unverheirateten Töchter adliger Familien bezeichnet, für die das Vermögen der Eltern nicht ausgereicht hatte, um sie in angesehene Familien zu verheiraten. Vielleicht wäre aber die Bezeichnung als „Erziehungs- und Sozialisationsort“ passender, da die adligen Nonnen auch im Kloster Teil ihres gesellschaftlichen Netzwerkes blieben (Ute Küppers-Braun). Anstelle einer erneuten Heirat entschieden sich auch Witwen nicht selten für ein Leben im Kloster. Bei der Mehrzahl der Anwärterinnen handelte es sich aber wie bei Hildegard von Bingen um Mädchen, die im Alter zwischen 5 und 10 Jahren als Oblaten ein Kloster betraten. Hildegard selbst spricht sich im Liber Scivias aber gegen diese Praktik aus. Das Leben hinter den Klostermauern hatte für die Frauen auch Vorteile gegenüber dem Eheleben - hier hatten sie den bestmöglichen Zugang zu Bildung, konnten im klösterlichen Rahmen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und bis zur Äbtissin aufsteigen.

Wie sich die Sozialstruktur der Frauenkonvente darstellte, ist eine Frage auf die die Forschung mangels aussagekräftiger Quellen keine genauen Antworten geben kann. Lange wurde angenommen, die Klöster seien dem Adel vorbehalten gewesen und hätten sich erst während der Reformbewegung anderen Schichten geöffnet. Der Historiker Franz Felten betont aber, dass die Herkunft der Nonnen selten überliefert ist und adlige Gründerinnen und Äbtissinnen nicht auf eine allgemeine Adelsexklusivität schließen lassen. Wie wir aus dem kritischen Brief Tenxwinds von Andernach wissen, nahm Hildegard nur Mädchen adliger Abstammung in das Kloster Rupertsberg auf. Für Felten zeigt sich hierin aber weniger die Beibehaltung eines traditionellen Erbes, sondern eine „moderne Reaktion auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die sich in der Zeit und im Umfeld Hildegards vollzogen“. Hinter dieser Hypothese steht die Annahme, es sei der Wunsch des alten Adels gewesen, sich von der aufsteigenden Schicht der Ministerialen abzugrenzen. Hildegard hätte demzufolge mit ihren Ansichten eine Marktlücke besetzt.