Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

Historisches Museum am Strom Hildegard von Bingen

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Das Kloster

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Die ersten Klöster wurden im 4. Jahrhundert von ägyptischen bzw. syrischen Eremiten gegründet, die sich dazu entschlossen hatten, gemeinschaftlich zu leben. Mit der Übernahme der Benediktregel im 9. Jahrhundert ging die Entwicklung einer einheitlichen Klosterarchitektur im Frankenreich einher: Der Gebäudekomplex war meist von einer Mauer oder Umfriedung umgeben, die die Mönche oder Nonnen von der Außenwelt trennte. Organisation und Größe war von dem jeweiligen monastischen Ideal der Gemeinschaft abhängig. Das spirituelle Zentrum der Anlage bildeten die Klosterkirche als Ort der Liturgie und der Kreuzgang als Ort der meditativen Stille, an die weitere Konventgebäude anschlossen: Das Dormitorium (Schlafraum), Refektorium (Speiseraum) und Kapitelsaal (Versammlungsraum). Zusammen bildeten sie den Bereich der Klausur, der den Mitgliedern der jeweiligen monastischen Gemeinschaft vorbehalten war. Ein von den Blicken der Laien abgeschirmter Nonnenchor innerhalb der Klosterkirche war ein Spezifikum von Frauenklöstern. Innerhalb des umfriedeten Areals lagen außerdem Wirtschaftsgebäude, Gärten, Gästeunterkünfte, Hospital, Abtshaus und die Pforte. Mit dem St. Galler Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert ist ein Idealplan einer solchen Anlage erhalten. Durch Schenkungen und den Besitz, den neue Mitglieder dem Kloster vermachten, verfügten Klöster meist über einen ausgedehnten Grundbesitz, der von Hörigen und Bauern bewirtschaftet wurde. Ab dem 10. Jahrhundert unterstanden Schutz und Verwaltung in der Regel Vögten, die sich häufig als die Herren der Klöster betrachteten und in vielen Fällen Einfluss auf die Ämtervergabe ausübten. Das Rupertsberger Kloster entging dieser Gefahr durch die von Hildegard erwirkte direkte Unterstellung unter den Mainzer Erzbischof.

Im Hochmittelalter waren Klöster keine Orte der Abgeschiedenheit mehr, sondern eines blühenden kirchlich-kulturellen Lebens: Mit ihren Bibliotheken, Schulen und Skriptorien, wo Bücher kopiert, illuminiert und gebunden wurden, waren sie die wichtigsten Zentren von Bildung, Erziehung und Kunst; andere waren bedeutende Stätten der Mission (Magdeburg, Münster), Etappenorte (Pässe, Handelsrouten) oder Verteidigungsbastionen. Vielerorts entstanden um die außerhalb von Städten gegründeten Klöster Siedlungen. Neben der Arbeit in der Küche oder auf dem Feld widmeten Mönche – besonders in der Zeit vor der Ausbildung eines eigenständigen Kunsthandwerks – die für die Arbeit vorgesehene Zeit auch dem Planen, Bauen und Gestalten der Gebäude sowie der Ausstattung des Klosters mit Malereien, liturgischen Gewändern und sakralem Gerät aus Edelmetallen oder Holz.

Durch die Schenkungen von Landbesitz und Vermögen sowie die Einnahme des Zehnten entwickelten sich die Klöster bald zu mächtige Grundherrschaften mit zahlreichen Knechten und Hörigen, wodurch die Äbte politische und wirtschaftliche Macht in Händen hielten. Die Gästehäuser dienten den Mächtigen des Reiches als Unterkunft, und weltliche Belange drangen hinter die Klostermauern. Dies und die prächtigen Kirchenbauten sowie die Vernachlässigung der Arbeits- und Meditationszeit gegenüber Gebet und Gesang waren v.a. ab dem Ende des 11. Jahrhunderts zunehmend Anlass für Kritik. Als Hildegard um 1147 mit der Planung ihrer eigenen Klostergründung auf dem Rupertsberg begann, musste auch sie sich mit der Frage der Finanzierung befassen. Bei ihrem Eintritt in die Klause auf dem Disibodenberg hatten die Familien der Mädchen und Frauen dem Kloster Besitzungen und Vermögen überantwortet, das Hildegard nun beanspruchte. Erst in einer Urkunde von 1158 ist aber vermerkt, dass acht Hufen Land dem Rupertsberg übertragen worden seien. Es waren ihre zahlreichen Förderer, darunter die Markgräfin Richardis von Stade, Pfalzgraf Hermann, Graf Ulrich von Are sowie ihre Familie, die ihr Kloster mit Grundbesitz ausstatteten und damit seine Existenz sicherten. Anders als viele andere Benediktinerklöster nahm sie keine Herrschaftsrechte, Hörige, Niederkirchen- und Zehntbesitz an, sondern bewirtschaftete das Land im Eigenbau oder mit Hilfe von Pächtern. Ergänzt wurden die Einkünfte durch Schenkungen von Gläubigen und Stiftungen für das Seelenheil.