Land der Hildegard - Hildegard von Bingen

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Museum am Strom

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Den eigenen Weg zu Hildegard finden

Neue Dauerausstellung im Binger Museum zeigt die Heilige in allen Facetten

Hell, emotionsgeladen, modern, mit dem Brückenschlag ins Mittelalter, in das sich der Besucher selbst versetzen kann. So weit er das will. Die neue Dauerausstellung im Museum am Strom – Hildegard von Bingen setzt Akzente und lässt nicht nur die Heilige und Kirchenlehrerin in ganz neuem Licht erstrahlen.

„Eine allgemeingültige Hildegard gibt es nicht. Jeder einzelne Besucher soll sich in der Ausstellung sein Bild von Hildegard machen können. Wir versuchen, jedem seinen Freiraum zu bieten.“ Museumsleiter Dr. Matthias Schmandt ist mit seinem Konzept in mehrfacher Hinsicht ein Spagat gelungen. „Wir haben versucht, Hildegard zu erden“, erklärt er den didaktischen Ansatz. Die historische Figur Hildegard dem gegenüberzustellen, was die Menschen in ihr sehen und aus ihr gemacht haben. Auf einer Zeitreise von 1098 bis 1179 historisch Belegtes mit dem Angenommenen zu konfrontieren. Hildegard so zu präsentieren, dass sowohl der „Neuling“ als auch derjenige nicht zu kurz kommt, der sich seit Jahren mit der Benediktinerin beschäftigt. Denn eines ist die neue Ausstellung ganz sicher nicht: trivial. Das dunkle Rot in der früheren Generatorenhalle ist einem freundlichen Mix aus Blau und Anthrazit gewichen, der Kassen- und Informationsbereich völlig neu gestaltet. Die 1998 weitestgehend aus dem Mainzer Dom- und Diözesanmuseum übernommene Ausstellung ist Vergangenheit. Geblieben sind die Objekte, wurden mit bedeutenden Werken, etwa einem Stein vom Kloster Rupertsberg aus dem 15. Jahrhundert, ergänzt und neu angeordnet. Manche Exponate sind neu, andere scheinen es, weil sie nun erst ins rechte Licht gerückt wurden. Optisch im Mittelpunkt stehen 13 Großtafeln, die das Leben Hildegards erschließen, ihre wichtigsten Lebensorte visualisieren.

Hildegard lässt sich erleben, mit allen Sinnen begreifen. Sie menschelt, kommt mit Zitaten zu Wort. Genauso tun das Zeitgenossen, die etwas über sie zu sagen haben. Dazu aktuelle Zeitungsaussagen, etwa aus der TAZ vom 29. September 2012: „Die Benediktinerin Hildegard war ihrer Zeit stets voraus. Über 800 Jahre später hat die Kirche das auch gemerkt (…)“, heißt es da. „Woher die Schreiberin immer die Wahrheit nahm – sie schrieb sie doch“, wusste Theologieprofessor Johann Michael Sailer als Regensburger Bischof bereits 1801. Multimedia-Stationen und Tafeln. An Monitoren wird der Besucher mit Kontroversen konfrontiert.

Klapp-Vitrinen zu Hildegards Schriften, nach deren Durchblättern wie beim Auspacken von Geschenken am Ende die Überraschung wartet, quasi die Belohnung erscheint: „Zu jedem bedeutenden Werk haben wir einen Erstdruck erwerben können“, ist Mu-seums- und Kulturamtsleiter Dr. Schmandt stolz. Wer war Hildegard? War sie eine Rebellin? Gibt es die Hildegard-Medizin? Was hat es mit Hildegards Visionen auf sich? Wie war ihr Frauenverständnis?

Alle diese und viele weitere Positionen zu der Binger Äbtissin lassen sich finden, bestätigen oder widerlegen. Jeder kann in der neuen Ausstellung seine persönliche Hildegard wiederfinden, auch flapsige Standpunkte und Statements zu ihr sind nicht ausgenommen.

Und natürlich lassen sich auch Rezepte finden. „Jeder kann sich sein eigenes Hildegard-Bild kreieren“, weiß Schmandt, dass seine Vorstellungen der Schau weitestgehend umgesetzt werden konnten. Manches kann auch die Ausstellung nicht aufdecken: Hildegards Geburtsort zum Beispiel. Bermersheim in Rheinhessen oder doch Niederhosenbach? Angesichts der Bedeutung und dessen, was Hildegard ab der Mitte ihres Lebens schuf, wohl eher nebensächlich, eher für Lokalpatrioten interessant.

Das Mittelalter in Bingen und in Hildegards Klöstern tritt dem Besucher dabei vor Augen, in Modellen und fotorealistischen Visualisierungen. Interaktion, PC-Terminals, Digitalisierungen, Information. Die ganze Geschichte der Heiligen wird nach neuestem Forschungsstand und in einer ausgewogenen Mischung erzählt. Was die Ausstellung in jedem Fall erreicht: Am Ende nimmt jeder Besucher sein eigenes, sein ganz persönliches Bild Hildegards mit nach Hause.

Kontakt
Historisches Museum am Strom - Hildegard von Bingen
Museumstraße 3
55411 Bingen am Rhein
Telefon 06721 184-353
Telefax 06721 184-359 E-Mail: museum-am-strom@bingen.de
Web: www.bingen.de
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag
von 10 – 17 Uhr
Eintrittspreise
Eintritt: 3,- €
Ermäßigt: 2,- €
Familien: 6,- €
Anfahrt
Über Bingen-Ost und Kempten Richtung Fähre Rüdesheim und weiter zum Rhein-Nahe-Eck
Barrierefreiheit
Auf Barrierefreiheit wird im Museum am Strom großer Wert gelegt. So ist das Museum über Rampen erreichbar. Alle Ausstellungsräume sind mit dem Fahrstuhl erreichbar und mit dem Rollstuhl befahrbar. Eine geräumige Behindertentoilette befindet sich im Erdgeschoss.